Im Flutlicht

Mit der Fußball-Filmreihe »Im Flutlicht« bat »Null Acht – Magazin für Rasenpflege« ab Dienstag, 6. Oktober 2009 Strafraumgötter, Ersatzbankdiven und Mittelfeldstatisten ins Rampenlicht. Jeden ersten Dienstag im Monat durften sich cinephile Fußballsympathisanten auf ausgewählte Leckerbissen freuen.

Black Starlets – Der Traum vom großen Fußball
(DE, 2006; Regie: Christoph Weber; Länge: 52′; dV)
1991 werden die Black Starlets zur Legende. Sie gewinnen völlig überraschend den U17-Weltmeistertitel für Ghana und somit den Ersten für den afrikanischen Kontinent. Der Präsident erklärt die jungen Spieler zu Nationalhelden und der europäische Handelsmarkt zu den begehrtesten Kaufobjekten der Saison. Wie Nii Lamptey, das 14-jährige Jahrhunderttalent, der »kleine Pelé«. Er wird von einem belgischen Spitzenclub nach Europa geschmuggelt und beginnt eine von Schicksalsschlägen umsäumte Odyssee, die ein überraschendes aber nicht untypisches Ende findet.
Der deutsche Regisseur Christoph Weber geht in seinem Dokumentarfilm 14 Jahre später diesen Schicksalen auf die Spur. Seine Suche in Europa und Afrika erzählt von unerfüllten Erwartungen, tiefer Einsamkeit und dem Prinzip des Glücks.

Subterrâneos do Futebol
(BR, 1968; Regie: Maurice Capovilla; Länge: 30′; OmdU)
Pelé. 1968. Während der kürzlich zu Ruhm gekommene Jüngling liebevoll sein Spielgerät verwöhnt, tobt die Menge in Ekstase. Viva Santos! Viva Brasil! Doch er fällt. Ein, zwei, dreimal resultiert ein überraschender Sturz aus einem grätschenden Bein.
In einer Zeit in der bedingungsloser Starrummel und Mystifizierung von Fußballidolen noch in den Kinderschuhen steckte, portraitiert der Dokumentarfilm »Subterrâneos do Futebol« mit trocken analytischer Distanz eine trügerische Welt voller Goals, Glanz und Gloria.
Als einer der ersten brasilianischen Fußballfilme, die ihre Handlung mit systemeigener Kritik unterlegen, ist der Film heute ein wichtiges Zeitdokument des brasilianischen Kinos.

Perigo Negro
(BR, 1992; Regie: Rogério Sganzerla; Länge: 28′; OmdU)
Rogério Sganzerla, der brasilianische Regisseur, spielte immer in der Offensive, vor allem in seinen Filmen und Texten. Auf der Suche nach neuen Filmformen und -genres ist er einer der renommiertesten Vertreter der südamerikanischen Avantgarde und war für einige Meilensteine in der brasilianischen Kinogeschichte verantwortlich.
»Im Flutlicht« präsentiert eine grotesk-kritische Fiktion mit dem nicht-fiktiven Hauptdarsteller »Perigo Negro«. Ein Fußballspieler aus Rio de Janeiro, der nach einer Verletzung am Höhepunkt seiner Karriere vom korrupten Vereinsboss und seiner Geliebten zum Rasenpfleger degradiert wird. Das Ergebnis ist die Anekdote eines Menschen, der einmal zu oft auf den Ball gestiegen ist – »Pisou na Bola«.

Der perfekte Moment – Ein Film über Mario Kempes
(AT 2006; Regie: Andreas Weber; Länge: 45′; OmdU)
Zinédine Zidane zur SV Ried? Nein, natürlich nicht. Aber so, oder zumindest so ähnlich, war das damals 1986 als Mario Kempes zur Vienna wechselte. Der Weltmeister von 1978! Südamerikas Fußballer des Jahres! Europapokalsieger der Pokalsieger!
Die Kronen Zeitung brachte es mit folgender Schlagzeile auf den Punkt: »Das ist ungefähr so, als wäre der Papst ab Frühjahr der Pfarrer von Grinzing.«
Und auch Regisseur Andreas Weber geht der Frage nach: »Warum?« In Interviews, unter anderem mit Hans Krankl, Alfred Tatar, Ernst Dokupil, Johann Skocek, Jorge Valdano, Thomas Parits und Alfredo di Stéfano nähert er sich diesem Widerspruch an.

Mauro Shampoo – Jogador, Cabelereiro e Homem
(BR 2006; Regie: Paulo Henrique Fontenelle, Leonardo Cunha Lima; Länge: 22′; OmeU)
Fußballer, Friseur und Macho. Und die Nummer 10 der »schlechtesten Mannschaft der Welt«, dem Íbis Sport Club aus Paulista im Nordosten Brasilien. Klingt legendär? Ist es.
Der beeindruckende Lebenslauf eines selten-charmanten Protagonisten aus dem Land, das Fußball so sehr liebt wie kein anderes: Brasil!

Barbosa
(BR, 1988; Regie: Jorge Furtado, Ana Luiza Azevedo; Mit: Antônio Fagundes, Pedro Santos, Victor Castel; Länge: 12′; OmeU)
Zu Vikash Dhorasoo gesellt sich im Vorprogramm Moacyr Barbosa, der brasilianische Schutzpatron aller »Watschenmänner«, Antiheld der Weltmeisterschaft 1950 und zugleich »der Mann, der ganz Brasilien zum Weinen brachte«. Die Verachtungen, die seinem schicksalhaftesten Tag, an dem er als Tormann einen vermeintlich haltbaren Schuss des uruguayischen Angreifers Alcides Ghiggia nicht parieren konnte, folgten, verglich er noch wenige Jahre vor seinem Tod (2000) mit einer lebenslangen Haftstrafe.
In Archivmaterial und Interviewpassagen, mit fiktiven Szenen vernäht, sehen wir einen Protagonisten, der Jahre später per Zeitmaschine in die Vergangenheit zurück reist, um Barbosas traurigstem Tag ein neues Ende zu schenken. Eine groteske »Was wäre wenn?«-Geschichte. Taschentuch-Alarm!

Substitute
(FR 2006; Regie: Vikash Dhorasoo und Fred Poulet; Länge: 70′; OmeU)
Weiterhin gilt: Das Runde muss auf’s Eckige – sinngemäß auf die Kino-Leinwand im Wiener Schikaneder. Nach der Jahrhundertikone Maradona widmen wir uns im zweiten Durchgang Vikash Dhorasoo, ehemaliger französischer Nationalspieler und tragischer Protagonist in der Österreich-Premiere von »Subsitute«.
In der Qualifikation zur WM-Endrunde 2006 in Deutschland noch in fast jedem Spiel im Einsatz, kam Vikash Dhorasoo während der Turniers insgesamt lediglich auf 16 Spielminuten in zwei Spielen. Im übermächtigen Spielmacher-Schlagschatten von Zinédine Zidane gibt uns Vikash äußerst persönliche und intime Einblicke in die Seele unserer einsamen Ersatzbankhelden. Gedreht auf Super-8, vor und während des »Festes für Freunde«.
Vikash Dhorasoo lief unter anderem für Olympique Lyon, Girondins Bordeaux und den AC Milan auf. Für die »Équipe Tricolore« streifte er 18-mal sein Shirt über.
Alles egal: Wir umarmen ihn herzlich. (hug)

Maradona by Kusturica
ESP 2008; Regie: Kusturica; Länge: 90′; OV
Eine Ikone. Der Beste. Das Pik Ass. Die 10. Die Hand Gottes. Der Drogensüchtige. Die postmoderne Gegenfigur zu Pelé. Zweifelhafter politischer Aktivist und umstrittene Trainerfigur der Weiß-Himmelblauen aus Argentinien. Diego Armando Maradona!
Der Regisseur und Musiker Emir Kusturica – bekannt unter anderem durch Filme wie »Schwarze Katze, weißer Kater« (1998), »Arizona Dream« (1993) und »Underground« (1995) – baut der Jahrhundertlegende ein Denkmal, eine dokumentarische Huldigung und eine 90-minütige Liebeserklärung an seinen »Bruder«. Der »Guardian« nannte es: »Das Treffen der Egozentriker.«
Der Film wurde im letzten Jahr bei den »Internationalen Filmfestspiele von Cannes« offiziell vorgestellt.